22.11.2025 – 1 Jahr ohne Janosch
Es fällt mir immer noch sehr schwer über Janoschs Tod zu sprechen, oder gar zu schreiben.
Bisher wissen nur sehr wenige Personen was genau vor einem Jahr in der Tierklinik passiert ist. Die Trauer sitzt unendlich tief und es ist nach wie vor unbegreiflich.
Das hatte Janosch nicht verdient. Sein Leben war viel zu kurz. Der einzige Trost ist, dass er als Esel, in Eselgesellschaft, bei Eselfreunden und in Gewissheit ein Esel zu sein gehen durfte. Viel zu kurz nur war die Zeit, die er geliebt wurde und die er als Esel unter Eseln leben durfte. Es war ihm von Anfang an kein langes Leben vergönnt. Ihm wurde zweimal das Leben verlängert, wenn auch leider nur für kurze Zeit.
Wer unsere Geschichten verfolgt, weiß, dass Janosch leider kein gesunder Esel war. Er war leider anfällig für fast Alles, dazu zählten besonders Geschwüre und Abszesse. Aus diesem Grund hatte er auch die Veranlagung zu Blasensteinen. Sehr selten bei Equiden, bei Wallachen dann aber häufiger als bei Hengsten. Ein sehr großer Blasenstein konnte ihm erfolgreich operativ entfernt werden. Die Nachkontrolle nach 3 Monaten war unauffällig und sehr zufriedenstellend.
Nach 6 weiteren Monaten sah das Ganze nicht mehr so aus. Bei ihm wurde erneut ein Blasenstein gefunden, dieser konnte noch gerade so mit Ach und Krach durch die Harnröhre entfernt werden. Dabei wurde festgestellt, dass in der Harnröhre eine Engstelle ist. Warum und wieso war unerklärlich. An dieser entstand durch den kleinen Blasenstein natürlich eine Verletzung. Also wieder ein Klinikaufenthalt für einige Tage. Der Heilungsprozess verlief aber gut.
Da Janosch also nachweislich eine Veranlagung zu Blasensteinen zeigte, wurden in Absprache mit den behandelnden Ärzten weitreichende Haltungs- und Behandlungsmethoden besprochen. Z. B. das systematische Ansäuern des Urins um das Risiko für Blasensteine zu reduzieren. Dazu Maßnahmen, wie das regelmäßige Spülen der Harnröhre und Blase, um Gries direkt zu entfernen, bevor es zur Steinbildung kommt.
Nach 3 Monaten dann also die reguläre Nachkontrolle. Wir waren optimistisch, da beim letzten Mal die 3-Monatskontrolle so reibungslos verlief. Falsch gedacht!
Die Ärztin war vor Ort noch nicht einmal in der Lage die Harnröhre zu spülen, da der Schlauch nicht eingeführt werden konnte. Janosch zeigte trotz Sedierung auch Schmerzsymptome. Es war ihm sichtlich unangenehm etwas in die Harnröhre eingeführt zu bekommen. Er blutete auch, was nicht hätte sein dürfen. Deshalb wurde erst einmal mit einer Sonde geschaut was da die Harnröhre blockiert.
Die Sonde brachte dann Unfassbares zum Vorschein. In der Harnröhre, an der Engstelle, hatte sich „wildes Fleisch“ gebildet. Wie eine Arte Spinnennetz. Es kam Urin gerade noch raus, aber kein Schlauch rein. Ohne eine Behandlung hätte dies einige Zeit später dazu geführt, dass gar kein Urin mehr abgeführt werden kann.
Gemeinsam mit einem Chirurgen wurden verschiedene Optionen besprochen. Von „endoskopisch die Wucherung entfernen“, über „Schlauch amputieren“ bis Euthanasie wurde alles offen dargelegt, erklärt und abgewogen. Zu diesem Zeitpunkt war ich einfach nur sprach- und fassungslos. Die Ärztin versuchte mich zu trösten und mir gut zuzureden, dass sie mich als Kämpferin einschätzt, sie aber ehrlich mit mir sein möchte und man Janosch tatsächlich guten Gewissens auch gehen lassen dürfte.
Seine Prognose war leider niederschmetternd. Auch eine Amputation hätte weitreichende Folgen gehabt, die bei Janoschs Allgemeinzustand mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht gut verlaufen wäre. Im Nachgang hätte er dadurch auch ein hohes Anfallsrisiko für Krankheiten gehabt.
Es wurde dann beschlossen den endoskopischen Weg zu gehen und erst einmal zu versuchen das Fleisch zu entfernen und dann mittels Katheder die Harnröhre offen zu halten. Vielleicht hätte man dadurch die Wucherung in den Griff bekommen. Leider kam es dazu nicht mehr. Unerwartet ist Janosch zusammengebrochen. Durch das Auf und Ab seines Kreislaufes, Sedierung und Schmerz hat sich ein Blutgerinsel gelöst und eine Lungenembolie verursacht. Das gesamte Team hat über mehrere Stunden hinweg versucht ihn zu stabilisieren. Es war schrecklich. Er hat gelegen und als man mich in den OP zu ihm führte, ist er aufgestanden, keine Schwäche zeigen, Frauchen ist da, er wollte stehen. Ich musste so mit mir kämpfen, ich durfte nicht schwach sein, ich musst doch für Janosch stark sein.
Wir haben ihn dann so weit stabilisieren können, dass wir ihn gemeinsam in die Notfallbox im Intensivstall bringen konnten. Pünktchen war die ganze Zeit bei ihm. In der Box wurde ein Trenngitter eingebaut, damit Pünktchen fressen konnte und Janosch in Ruhe betreut werden konnte. Ich bin eine Weile bei ihm geblieben und habe bei ihm in der Box gesessen. Die Ärztin hat mir offen gesagt, dass die Chancen 50 / 50 stehen, er nicht über den Berg ist, es in beide Richtungen gehen kann. Janosch kam dann zu mir, er wollte von mir gekrabbelt werden. Das hat mir mehr Angst gemacht als alles andere. Er hatte richtig wache Augen. Die Ohren gespitzt. Er hat zu Pünktchen gegiert, weil sie fressen durfte. Das war das Zeichen, dass ich gesagt habe, ich gehe jetzt erst einmal. Wenn seine größte Sorge jetzt ist, dass er nicht fressen darf, dann gönnen wir ihm jetzt erst einmal Ruhe. Das Licht wurde ein bisschen gedämpft, damit nicht alles so grell ist.
Keine halbe Stunde später hat die Klinik mich angerufen. Janosch ist im Beisein der Pfleger erneut kollabiert und war sofort tot.
Ich habe noch nie soviel Leere empfunden, selbst nach Antons Tod nicht. Da war ich gefasster, weil Anton wenigstens ein eseliges Leben führen durfte, wenn auch nicht länger als Janosch. Aber Janosch hatte keine schöne Vergangenheit, das war nur Tristesse und der Gang zum Schlachter. Dazu kommt, dass ich durch meine eigene Erkrankung, fast 1,5 Jahre lang nicht so für ihn sorgen konnte, wie ich es gewollt habe. Er war 2,5 Jahre bei mir und ich mache mir Vorwürfe, dass ich ihm davon dann auch noch so viel Zeit geraubt habe. Ich hoffe er weiß, dass ich um ihn gekämpft habe.
So viele Menschen haben mich dabei auch finanziell unterstützt, das möchte ich an dieser Stelle auch noch einmal sagen. Ohne diese Hilfe wäre zum seelischen Leid, weil man so ein krankes Tier hat, dann auch noch die finanzielle Not gekommen, weil ich nicht gewusst hätte, wie ich die hohen OP-Kosten hätte begleichen sollen. Und dann steht im Raum, dass man ihn auch hätte schon viel früher einschläfern lassen können. Schlimm, dass es Menschen gibt, die das auch getan hätten, ob nun aus finanziellen Gründen, oder weil ihnen Aufwand, Arbeit und Verantwortung zu viel gewesen wären.
Wir waren nur zu einer Nachkontrolle, sind mit zwei Eseln gekommen und mit einem gegangen. Das war auf so vielen Ebenen erschütternd. Dabei war Janosch auf dem Hinweg sogar freiwillig in den Hänger gestiegen, ganz ohne Zögern. Wir waren so stolz auf ihn.
Er wird unvergessen bleiben. Er hat mir so unfassbar viel Vertrauen geschenkt. Ich vermisse ihn unendlich und diese Zeilen zu verfassen hat mich sehr viel Kraft gekostet. Ich werde diesen stolzen Esel-Mann für immer in meinem Herzen tragen.
R.I.P. – Janosch, 2013-2024

Wir vermissen ihn auch sehr und sind dankbar in gekannt zu haben und einen Teil seines Weges mit ihm gegangen zu sein ♥️